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36 Jahre Konkret CD

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Heft 09 2008

von konkret

   Ja, watt denn nu'? (1)

Einerseits erhielt der Deutsche Presserat am 14. Juli diese Post aus Köln:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchten wir zusätzlich zu den Beschwerden gegen die Nachrichtenagenturen dpa, ap, afp und reuters und gegen verschiedene Presseorgane in der gleichen Sache Beschwerde gegen eine Veröffentlichung in der Juni-2008-Ausgabe der Zeitschrift KONKRET erheben. KONKRET läßt die exil-iranische Kulturwissenschaftlerin Nasrin Amirsedghi zu Wort kommen: 'Wenn Deutschland es ernst meinen würde mit den Lehren aus der Geschichte, dann hätten vor drei Jahren, als Ahmadineschad zum ersten Mal ankündigte, Israel von der Landkarte streichen zu wollen, die diplomatischen Beziehungen abgebrochen werden müssen ... Nur wenn ich das Ziel, Israel zu vernichten, insgeheim teile, kann ich doch mit einem solchen Regime Geschäfte machen ...' Es wäre Pflicht der Redaktion gewesen, darauf hinzuweisen, daß die in diesen Sätzen enthaltenen Behauptungen unwahr sind ...

Mit freundlichen Grüßen

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann"

Andererseits erhielt die KONKRET-Redaktion am 30. Juli diese Post aus Köln:

"Lieber Hermann L. Gremliza, liebe Redaktion,

wir möchten Euch einen Artikel zum Abdruck anbieten, der sich vertiefend und mit erweitertem Horizont mit der Falschzitierung des iranischen Präsidenten auseinandersetzt.

Mit den besten Grüßen

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann"

Der angebotene Beitrag war eine leicht variierte Fassung der Begründung, die Fikentscher und Neumann ihrer Beschwerde gegen KONKRET beim Presserat beigelegt hatten. Die beiden, die wahlweise als Gruppe "Arbeiterfotografie" oder als "AG Friedensforschung an der Uni Kassel/Friedenspolitischer Ratschlag" auftreten, haben bei ihrer Jagd auf Verleumder des iranischen Präsidenten inzwischen eine erstaunliche Strecke zu verblasen:

"Zahlreiche Medien in Deutschland haben den Fehler eingestanden, darunter auch zwei Nachrichtenagenturen: ap und dpa. afp sieht immerhin in der Verwendung des Begriffs 'Landkarte' einen Fehler. Wilm Herlyn, Chefredakteur von dpa, hat am 13. Juni 2008 geschrieben: 'Die dpa wird in Zukunft bei der Berichterstattung darauf achten, daß der iranische Präsident, Mahmud Ahmadinedschad, nicht die Auslöschung Israels oder dessen Tilgung von der Landkarte gefordert hat.' Auch die 'Süddeutsche Zeitung', 'Spiegel Online', der NDR (insbesondere *'tagesschau.de') und das ZDF haben den Fehler eingestanden. Der Intendant des ZDF versichert, daß alle Kolleginnen und Kollegen seines Hauses über diesen Vorgang Kenntnis erhalten haben und künftig die korrekte Übersetzung berücksichtigen werden."

Wie leicht und schnell die deutschen Medien, wenn die Ehre von Steinigern auf dem Spiel steht, doch auf den rechten Weg zu bringen sind. Zum Beweis, daß Ahmadinedschad nie gesagt habe, was er gesagt hat, tragen die friedensforschenden Arbeiterfotografen imposante Erörterungen des transitiven und intransitiven Gebrauchs eines iranischen Verbs zusammen und weisen einen Einwand zurück:

"Eine weitere Entgegnung, mit der wir mehrfach konfrontiert worden sind, besteht in dem Hinweis auf Meldungen der iranischen Nachrichtenagentur IRNA, die selber die Formulierung 'wipe off the map' (also 'von der Landkarte tilgen', 'dem Erdboden gleichmachen') verwenden würde. Dieser Hinweis ist insofern richtig, als daß es zutrifft, daß IRNA tatsächlich diese Formulierung in ihrem englischsprachigen Angebot verwendet hat ... Laut IRNA-Meldung vom 3.6.2008 soll der iranische Präsident gesagt haben: '... das zionistische Regime, das ein Usurpations- und illegales Regime und ein Krebsgeschwür ist, muß von der Landkarte getilgt werden.' Und: '... das zionistische Regime sieht seinem absoluten Ende entgegen ... das korrupte Element wird von der Landkarte getilgt werden.' Dies sind zwei Sätze aus Äußerungen, die korrekt wie folgt wiedergegeben werden müßten: 'Oh lieber Imam [= Khomeini], Du hattest [einst] zu sagen geruht, daß das zionistische Regime ein Usurpations- und illegales Regime und ein Krebsgeschwür ist, das von der Seite des Zeitenlaufs verschwinden muß. Heute nun entbiete ich Ihnen respektvoll meine Antwort: Diese erleuchtende und Weg weisende Rede und dieses Ihr Sehnen sind an der Schwelle, Frucht zu tragen: das zionistische Regime hat die Philosophie für seine Existenz aus der Hand gegeben (...) Das zionistische Regime befindet sich in einer absoluten Sackgasse, und Ihr Wunsch (Imam Chomeini) wird bald Wirklichkeit und dieser Keim der Verderbnis wird verschwinden.'"

Nur wer die Sehnsucht eines Antisemiten kennt, weiß, was Anneliese und Ahmadinedschad zu leiden geruhen. Nach Ansicht unserer Friedensforscher bereiteten die USA und Israel mit ihrer Fälschung einen Militärschlag gegen den Iran vor. Wäre es in dieser höchsten Not nicht das beste, der iranische Präsident gäbe eine kurze Erklärung ab: Er sei falsch übersetzt oder verstanden worden, er wünsche keineswegs, Israel von der Landkarte zu tilgen? Aber damit wäre er bei Deutschlands friedensforschenden Arbeiterfotografen natürlich unten durch.

   Ja, watt denn nu'? (2)

Daß Redaktion und Autoren von KONKRET den Scheinheiligen von Teheran und seine deutschen Mitläufer gern von den Seiten des Zeitenlaufs verschwinden sähen, bringt auch andere Volksgenossen in heftige Wallung. "Kommunisten Online", die "Kommunistische Internet-Zeitung", wettert unter dem Titel "Antideutsche Kriegshetzer sind Faschisten":

"Einige von ihnen - z. B. der KONKRET-Herausgeber Gremnitza - fordert gar Israel auf, gegen den Iran Atomwaffen einzusetzen."

Ein anderer radebrecht auf der Seite "Deutschland kontrovers":

"Und der Alte der Antideutschen Gremliza (KONKRET) bekannte ganz offen in seiner Kolumne. 'Jawohl ich bin Rassist, Antigermanischer Rassist. Die Deutschen sind krank, haben einen genetischen Defekt.'"

Trost und Zuspruch finden KONKRET und der Alte der Antideutschen in dieser schweren Stunde bei einer Berliner FDP-Wählerinitiative, die als "Hedonistische Mitte - Brigade Mondän" mit der These auf sich aufmerksam zu machen versucht, daß der Vasall Israels und antigermanische Rassist in Wahrheit ganz was anderes ist, nämlich (und wenn sie schreiben, dann auf anti-deutsch)

"einer, ... der beweist, daß, wenn angegriffen, auf den deutschen Zusammenhalt dennoch jeder Zeit Verlaß ist ... Hermann Ludwig Gremliza ist und bleibt ein deutscher Antiimperialist."

Wer sagt's denn! Und das schicken sie einem mit dem Begleitbrief:

"Sehr geehrte Redaktion der KONKRET,

hiermit möchten wir Sie auf folgenden Artikel hinweisen, den Sie gerne als offenen Leserbrief betrachten dürfen ..."

Sie sind, jedenfalls was Chuzpe betrifft, auf der Höhe der arbeiterfotografierenden Friedensforscher. Wir aber, die wir gern ein Minimum an Übersicht behielten, bitten die einschlägigen Damen und Herren, sich zu verständigen, wem KONKRET nun wirklich zuzurechnen ist: dem Mossad oder dem Djihad? Oder, nach der nächsten Metamorphose des Westerwelle-Fanclubs, vielleicht beiden?

   Neuerscheinungen

Anfang Oktober neu in der konkret-texte-Reihe: Jens Hoffmann: "'Aktion 1005" - Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten"; der Band erscheint wegen seines Umfangs - ca. 440 Seiten - als Doppelband 46/47 in einem Sonderformat (Preis: 29,80 Euro, für texte-Abonnenten 20 Euro). Gerhard Henschel: "Die Springer-Bibel. Ein Panorama der Mediengeschichte", ca. 280 Seiten, 18,50 Euro (Band 48, für texte-Abonnenten 10 Euro).

   Termine

Veranstaltungen: Hamburg, 6.9., Mathilde Literaturcafé, Bogenstr. 5, 20 Uhr: Gerhard Henschel liest aus Die Springer-Bibel (konkret-texte 48). - Hamburg, 8.9., Polittbüro, Steindamm 45, 20 Uhr: "Kostprobenabend" der Vers- und Kaderschmiede mit: Monica Bleibtreu, Thomas Ebermann, Dieter Glawischnig, Hermann L. Gremliza, Dietmar Mues, Lisa Politt, Harry Rowohlt, Gunter Schmidt und anderen. - Regensburg, 18.9., Lederer e.V., Lederergasse 25,

19 Uhr: "Homophobie und Islamismus", Vortrag von Tjark Kunstreich.

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36